„0-1-0-1“ für die Medienbranche: Sieben digitale Erfolgsfaktoren

Bertelsmann-Vorstand Hartmut Ostrowski prophezeit am Beispiel des eigenen Unternehmens Verlagen glorreiche digitale Zukunft 

An den Beginn seiner Keynote „More than just ‚1/0‘ – An international media group’s digital strategies“ stellte der mächtige deutsche Verlagschef Hartmut Ostrowksi die Einführung des ersten GSM-Handys, das auf den Tag vor 28 Jahren vorgestellt wurde. Von dort aus spannte er einen Bogen über die Auswirkungen früherer technischer Innovationen auf die Medienbranche zum Kernthema seines Vortrags: die sieben Erfolgsfaktoren im digitalen Zeitalter.

  • Inhalte

Inhalte als Ursprung der Wertschöpfungskette werden weiter an Bedeutung zulegen, stellte Ostrowski in den Raum, am besten zu erkennen an den erfreulichen Wachstumsraten im Bereich Content. Zum besseren Verständnis zog der bekennende Fußballfan eine Stadion-Metapher heran. Menschen wollen keine leeren Stadien besuchen, sagte er, Menschen wollen das Spiel sehen. Darum sei es die Aufgabe der Verlage, die technisch ansprechenden Devices wie Tablets & Co mit Leben zu füllen.

  • Marken

Ostrowski stellte klar, dass der Mechanismus der Medienmarke auch online greift: „Was am Kiosk klappt, das sucht man auch im App Store“. Die Marke und ihr Leistungsversprechen seien der wichtigste Wert im digitalen Einerlei, denn wenn es ernst werde, wie in Libyen oder London, gebe es für die Leser keine Zeit für Experimente. Auch dem Bürgerjournalismus räumte der Vortragende als ergänzendes Angebot zu den redaktionellen Angeboten der Sender und Verlage einen Stellenwert in der medialen Zukunft ein.

  • Qualität

„Qualitätsjournalismus macht aus Ereignissen Nachrichten“ stärkte Ostrowski Journalisten den Rücken und betonte zudem ihre wichtige Funktion als vierte Gewalt im Staat.

  • Paid Content

Gruner + Jahr würden bereits heute mehr Onlineangebote als Printtitel betreiben, veranschaulichte Ostrowski eine Teilstrategie des Bertelsmann-Konzerns. Diese finanzieren sich großteils über Werbung und das sei mittelfristig auch so gewollt, da sich die Werbeumsätze allein im letzten Jahr um 30 Prozent erhöht hätten.

  • Vernetzung/Kooperation

„Erst das Zusammenspiel aller Akteure schafft den Markt. Je intensiver wir zusammenarbeiten, desto größer ist der Nutzen für die Kunden“ legte Ostrwoski die Grundlage für sein Kooperations-Plädoyer. Bereits jeder fünfte Dollar der Bertelsmanntocher Randomhouse in den USA werde digital verdient, verdeutlichte er die strategische Dringlichkeit mit monetären Argumenten. Dies sei unter anderem aufgrund der Einbindung von sozialen Netzwerken möglich. Auch im Fernsehen der Zukunft könnten vor allem die Werber von crossmedialen Kampagnen profitieren.

  • Mobile

„Allein im Jänner und Februar dieses Jahres haben User 27 Millionen Videos bei RTL abgerufen“ sagte Ostrowski und schloss daraus, dass mobiles Fernsehen bereits Realität sei.

  • Serviceexpertise

Am Beispiel der Dienstleistungstochter Arvato veranschaulichte der CEO weitere Betätigungsfelder für Verlage im Bereich Serviceexpertise. Arvato sei für die digitale Speerspitze wie Amazon und Google tätig. Anstatt sie des „Verlagsmordes“ anzuklagen, würde Bertelsmann Geschäfte mit ihnen machen. Die Chance bestehe darin, Dienstleistungen im Bereich E-Commerce, Kundenbindungsprogramme oder Datensicherung mit Inhaltekompetenz zu verbinden und zu monetarisieren.

  • Kostenbewusstsein

„Wir haben 2009 unsere Kosten um eine Milliarde Euro gesenkt und trotzdem unsere Marktposition ausbauen können. Mehr Effizienz in der Erstellung schadet dem Produkt nicht“, brachte Ostrowski die Erfahrung vieler Verlage in den vergangenen Jahren auf den Punkt. 0-1-0-1 Letzlich gehe es  darum, aus der Unendlichkeit der ‚0-1‘ Zahlenkombinationen die herauszufinden, die Begeisterung und Emotionen hervorruft, gab der Bertelsmann-Vorstand den rund 350 Zuhörern als abschließende Botschaft mit auf den Weg. (Tatjana Rauth aus Köln, 21.9.2011)

Link:

  • Bertelsmann AG 

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